05.02.2021

Geschlossene Kinos in der Kantstraße

Zur Zeit hocke ich manchmal vor Kinos, die nichts zeigen.

Delphi Lux, 22 Juni 2020

 

Vom c/o im Amerikahaus führt ein Weg zwischen S-Bahn und den Delphi Lux Kinos vorbei zur Kantstrasse. Sonntag Nachmittag kommen Mitarbeiter des Ulrichs Supermarkt – der ist hier unter den Gleisen und hat immer auf – aus Stahltüren zur Raucherpause oder um palettenweise neue Ware ranzuschaffen. Ein Typ mit einer hübsch geblümten Decke unter dem Arm legt sich damit vor den Kinoeingang und schläft sofort ein. Er wacht auch nicht auf, als einer der Ulrichs-Mitarbeiter zusammen mit einer Frau mit halb geleerter Weißwein-Flasche nett versuchen, ihn zu wecken: “Alles in Ordnung, Großer. Jetzt steh mal auf” 

 

Kant Kino, 8 Januar 2021


 

Freitagabend, zur Zeit kann man das Kant-Kino nur von aussen anschauen, statt drinnen etwas zu gucken. Nebenan, im Restaurant, holen Leute Essen ab und ein kleiner Kastenwagen lädt Auslieferessen ein. Das Schild über dem Kinoeingang wünscht mit seinen beweglichen Lettern Gesundheit, AHA+I und Solidarität. Und ‘ohne Kunst und Kultur ist es still’. – Ja! 

 

Zoo-Palast, 6 Januar 2021

Vor der Einmündung in die Budapester Straße schwenkt die Kantstraße nach links, ihre Verlängerung zum Breitscheidplatz ist mit Truck Blocs gesichert. Kino und Mall leuchten dezent warm und versuchen, auf eine baldige Wieder-Öffnung einzustimmen. An der Ampel wartet ein Essensauslieferer auf einem Fahrrad mit Thermobox. Er trägt einen dicken Anorak und die Mütze tief im Gesicht. 

Delphi Filmpalast, 4 Februar 2021

Ich sitze unter den Platanen auf dem Plateau vor dem Delphi Filmpalast. Eigentlich ist es dafür zu kalt. Die Quasimodo Bar ist auch drinnen dunkel, an der Treppe zum Jazzclub sind Plakate von abgesagten Konzerten im Schaukasten. Der Kinoeingang leuchtet und ist zu.

| Rolf Schröter

28.11.2020

Kantstraße, Herbst 2020

 Ein paar Tuschen von der Charlottenburger Kantstraße von diesem Herbst: 


  
7. Oktober: Der U-Bahneingang auf der südlichen Seite der Kreuzung Wilmersdorfer- | Kantstraße strahlt gelblich nach oben. Die Aufzugskabine befördert immer mal wieder durch neblige Glasschichten sichtbare Figuren nach unten.
 
  
28. Oktober: Um halbelf trinke ich allein an einem der Tische des McDonalds an der Ecke Wilmersdorfer-/ Kantstraße Kaffee und schaue durchs Fenster: Draussen trinken Leute Milkshakes, essen und gestikulieren. 
 
 
31. Oktober (Halloween): Ich setze mich auf eine Bank im Innenbereich des Savignyplatzes, Ecke Grolmannstraße. Vor mir wächst eine mächtige Plantane aus ihrem Baumloch raus. Erst höre ich nur Straßengeräusche, leicht gedämpft. Pfandsammler kommen vorbei, einer hat ein Feuerzeug zum Leuchten und guckt unter die Bänke und flucht, keine Flaschen und Finger verbrannt. Dann höre ich junge Menschen auf der Nebenbank, Musik und partyartiges Gerede. Von woanders kommen ab und zu Männer, suchen zum Urinieren geeignete Orte und glauben, welche gefunden zu haben. Unter der Plantane ist es ziemlich dunkel, Stadtlichter machen Farbflecken ins Schwarzweiß.
 
 
 
28. November: An der Ecke Bleibtreu- / Kantstraße. Ab und zu tragen Männer leere Kisten aus dem Gemüseladen an der Ecke in einen offenen Lieferwagen. Der fährt weg und PKW halten, die Fahrer bestellen Essen bei Zaim Falafel (neben dem Gemüseladen). Andere Menschen stehen davor, manche Essen und die meisten warten – in den Imbiß kommt man nur zum Bezahlen. Es ist kalt.
 
Ich gehe seit Juni immer wieder abends zur Kantstraße - mehr Tuschen davon gibt es hier
 

21.09.2020

Haus der Kulturen Der Welt

Sonntag, 20.09.2020

Am Sonntag gab es ein sehr nettes Zeichnertreffen der USK-Berlin am Haus der Kulturen der Welt.

Vor dem 1957 für die Internationale Bauausstellung "Interbau" vom amerikanischen Architekten Hugh Stubbins als Kongresshalle entworfenen Gebäude steht seit 1986 die große Bronzeskulptur "Large Divided Oval: Butterfly" von Henry Moore.




20.09.2020

Sonntag, 13.09. 

Zeichnertreffen mit Workshops in der Strandbar “Charlie’s Beach” - auf dem Gelände der ehemaligen DDR-Grenzabfertigungsanlage am Checkpoint Charlie in Berlin. Organisiert wurde das nette Get together vom Sketcherkollegen Stefan Gris Seibt. Vielen Dank!





30.08.2020

Bebelplatz, 29 August 2020

Heute, am 29.08., demonstrierten Coronaleugner zusammen mit bekennenden Rechtsextremen in Berlin. Sie fordern ein Ende der Infektionschutzmaßnahmen und eine 'Abdankung der Regierung Merkel', berufen sich auf krude antisemitische Verschwörungserzählung wie die vom Q-Anon. Schon vor der Demo begegneten man auf der Straße Gruppen von jungen muskulösen Männern mit einschlägig rechtsradikalen Tätowierungen und T-Shirts. Ihr triumphierendes Auftreten verbreitet Angst - den (laut 'Verfassungsschutz' ja 'nicht rechtsextrem unterwandertene') Coronaleugnern bereitet die gewaltbereite Stimmung offenbar kein Unbehagen, stattdessen berauschen sie sich an Machtillusion. 

Um hiergegen ein Zeichen zu setzen ruft ein breites Bündnis zur 'Solidarität! Statt Schulterschluss mit Nazis! - Protestkundgebung' am Bebelplatz auf.

Ich komme gegen 09:20, Musik und erste Reden aus dem Bühnenwagen vor der Hedwigs-Kathedrale, hier trägt jede*r wie verlangt Masken, wir sitzen oder stehen locker verteilt auf dem Platz.


 

Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes zu 'Unter den Linden, der Marschroute der Coronaleugner, verdecken drei Mannschaftswagen der Polizei teilweise die Sicht, Redner*innen der Kundgeben fordern die Polizei auf, diese zugunsten unserer Sichtbarkeit weg zu setzen. 

 


 

Dem Vorbeizug der Coronaleugner und Rechtsradikalen wird lautstark begegnet (mein Favorit: Kuhhorn mit Schlauchschleife dran gekonnt und laut geblasen). Redner*innen kritisiert zunehmend radikal Polizeipräsenz und -agieren auf unserer Kundgebung, schliesslich aber auch die Nachricht, das die Polizei beginne, den Demonstrationszug gegen Infektionsschutz aufzulösen. Es gibt eine weitere Kundgebung gegen rechts am Bahnhof Friedrichstraße, der Platz leert sich, etwa 20 Polizist*innen in Krawallausrüstung gehen an mir vorbei über den Platz Richtung unter den Linden. 


 


Gegen 13:30 sind weniger Leute auf dem Bebelplatz, viele sind wohl zu anderen Kundgebungen gegangen. Am Rand des Platzes zu Unter den Linden werden Sprecherinnen des #unteilbar Büdnisses vor der Kamera interviewt. Plakate und Banner werden weiterhin gut sichtbar zwischen den Polizeiautos zur Strasse hin präsentiert, wo kein coronaleugnender Zug mehr ist, der ist aufgelöst. Versprengte Vorbeiziehende können evtl. lesen.

 

Die Kundgebung gegen Rechts auf dem Bebelplatz geht weiter mit Reden und Musik. Polizeisirenen und Hubschrauberschrabbeln vom Weitem, einmal zieht eine Gruppe in schwarzen Kapuzen vorbei, versprengte Menschen mit Deutschlandfahnen, einer regt sich mit Finger und Gebrüll auf, auf dem Platz gibt es Musik und entspannte Stimmung. 

Ich gehe zurück zu meinem Fahrrad - vom Weiten sehe ich eine (unschöne) Fahnen schwingende Menge vor dem Bahnhof Friedrichstraße, viel Polizei und viel Agression. Ich fahre - um die rechtsoffene Kundgebung im Tiergarten zu umgehen, Richtung Wedding und sehe immer wieder von großer Polizeipräsenz abgesperrte Straßen. Ich habe genug für heute. 

| Rolf Schröter