31.05.2020

Potsdamer


In der Potsdamer Straße am nördlichen Ende des Pallasseum schrauben zwei Typen an einem auf dem Bürgersteig aufgebockten Piaggio-Dreirad herum. Zwei Andere quatschen bei den Pollern vor der Einfahrt. Ein Grauhaariger mit Zigarette und schwarzem Anzug kommt dazu. Sie gehen und der Platz wird von einem zweitürigen Mercedes, der auf dem breiten Bürgersteig parkt, eingenommen. Dessen Fahrer sieht mich und fragt, ob der Wagen störe, aber ich bin eh fertig.

12.04.2020

Ladekran


Ich treibe in meinem Faltboot in der Havel, vor der eisernen Kaiwand gegenüber dem Spandauer Schifffahrtsufer. So komme ich einigermaßen nahe an den Ladekran auf dem linken Ufer heran. Ein Kormoran setzt sich darauf und schreit.

I float in my folding kayak in the havel, in front of the iron quay wall opposite the Spandauer Schiffahrtsufer. This way I get quite close to the loading crane on the left bank. A cormorant sits on it and screams.

16.02.2020

Paul und Paula Ufer


Der Weg am Westufer der Rummelsburger Bucht heißt Paul-und-Paula-Ufer. Dort ist an eine Anlegestelle ein Wirrwarr unterschiedlicher Boote angetäut – kleine Beiboote, mit denen man in der Bucht ankernde Schlafboote erreichen kann, schon deutlich patinierte Kajütboote verschiedener Größen, zum Teil mit kistenförmigen Wohnaufbauten erweitert, oder auch Pontons mit Hütten darauf. In der Bucht schwimmen vereinzelt ähnliche Gefährte, an den Ufern neue Wohnbebauung in bester Seelage. Ein paar Meter weiter ein immer noch großes Obdachlosen-Camp, mit Bauzäunen umgeben. Hier entsteht stattdessen bald ein neuer meeresbiologischer Themenpark.

24.11.2019

Ugah

*
**


* Ich fahre von Charlottenburg nach Kreuzberg ** und gehe in den Trinkteufel. Es ist voll, aber am Tresen ist eine breite Lücke, da stell ich mich hin und bekomme ein Bier – irgendwann kommt erst ein Typ zum Bier Bestellen, dafür ist Platz, dann sein Kumpel, der glotzt mich an, ohne zu sprechen. Ich verstehe schon, aber gehe erst, als er sich umdreht und mich mit seinem (recht breiten) Rücken wegschiebt. Ugah. Er bleibt stehen und quatscht mit seinem Kumpel und Leute an. Ich klemme mich woanders hin, und pinsle, wie er sich freut.

* I’m riding from Charlottenburg to Kreuzberg and **visit the ‘Trinkteufel’. It’s full, but there’s a wide gap at the counter, I go there and get a beer – at some point a guy aproaches for ordering his beer, there’s room for that, then his buddy comes and stares at me without talking. I understand, but I don’t leave until he turns around and pushes me away with his (quite wide) back. Ugah. He stays and talks to his buddy and people. I clamp myself somewhere else and ink him beeing happy.

03.10.2019

Oberhafen


Neben der Brücke der Grenzallee über den Neukoellner Schiffahrtskanal führt eine Treppe runter zum Kanal. Ich klettere über ein Bündel blauer Rohre, die auf einem stillgelegten Gleisbett liegen.
Vom Ufer schaue ich in das Becken des Oberhafens, am anderen Ufer ist ein Recyclingwerk.
Ein Sportboot kommt den Kanal runter und fährt nach rechts, zur Schleuse. Es dreht eine Runde und fährt ungeschleust zurück.
Ein paar Jungs mit Angelruten kommen die Treppe runter. Einer fängt einen kleinen Weißfisch, den er zurück ins Wasser wirft. Nach ca 45 min gehen sie und ich bin wieder alleine mit den Tauben.

21.09.2019

Friday for future

Bei der Klima-Demo vor dem Brandenburger Tor. Wir warteten am Sowjetischen Ehrenmal darauf, dass sich der Zug endlich in Bewegung setzt. Wir haben lange gewartet - Zeit für ein paar Skizzen...

Die zwei riesigen Vögel aus Schrott habe ich letzte Woche auf der "Positions", einer Kunstmesse im Hangar des Flughafens Tempelhof, gesehen. 
Aber nun zur Demo:


Den Panzer hinter den Demonstranten fand ich optisch sehr brutal. Doch es ging alles sehr friedlich-fröhlich zu. Kurzzeitig wurde sogar der Panzer von Jugendlichen beklettert.


Die illustre junge Dame wurde von einem Kamerateam interviewt. Der junge Mann trug einen Overall aus großen Pailetten, in pastelligen Regenbogenfarben schillernd, und ein schwarzes Halsgehänge. Er folgte mit seiner Begleitung (sie hatte ein Cape aus gelben Pailetten um) dann tanzend dem Rave-Wagen.


Diese beiden hatten es hoch zum "Rufer" geschafft und ihm ein Schild umgehängt. Darauf stand irgendwas mit "Post". Post? Was hat die denn mit dem Klima zu tun? Der eine fotografierte die Menge, der andere fand sein Handy spannender. Die Plastik finde ich, im Gegensatz zum Panzer, hier sehr passend. Leider wurden unsere Rufe nicht wirklich erhört.


 ("Der Rufer" von Gerhard Marcks, 1966, Bronze). 

17.09.2019

Urbankrankenhaus

Das "Klinikum Am Urban", wie es wohl offiziell heißt (jeder nennt es natürlich Urbankrankenhaus) am Urbanhafen in Kreuzberg. Der Neubau ist ein beeinduckend bis bedrohlich wirkender, V-förmiger 60er Jahre-Betonblock (architektisiert von Peter Poelzig), der in seltsamem Kontrast zu der parkähnlichen Anlage davor steht. Dieses Gebäude wollte ich schon lange mal zeichnen, heute habe ich mich endlich dazu aufraffen können. Ein Schwan posiert auch noch für mich!


09.08.2019

Gotzkowskistrasse


Vor dem Spätkauf stehen 3 Biertische auf dem Bürgersteig. Donnerstag ist spätabends noch jede Menge los. Eine stattliche Frau in weitem Hemd thront in einem Plastikstuhl und unterhält sich mit einer jungen Frau in engem Kostüm. Zwei weitere Frauen, eine mit Rollator, kommen den Bürgersteig runter und bleiben stehen. Gesprächsthemen sind Getränke. Zum Beispiel Pastis, den kennt die Frau im Hemd nicht. Der sei erst klar, und wenn man Eiswasser hinzuschütte, so milchig. – Wie, milchig, versteh ich nicht? – Naja, also so etwa wie Sperma. – Beh, schmeckt das auch so? – Das nun nicht. Zum Glück!

19.07.2019

Ost-West-Kontraste

Heute habe ich zuerst mit Tatiana vor dem Café Sibylle gesessen, dem Ostberliner Kultcafé an der Karl-Marx-Allee. Eröffnet 1953 als "Milchtrinkhalle", in den 60ern in "Sibylle" umbenannt. Der wunderschöne gelbe Neonschriftzug steht mittlerweile unter Denkmalschutz.
Danach nach Charlottenburg ins Bröhan-Museum, wo gleichzeitig eine Ausstellungseröffnung und das Sommerfest stattfanden. Hier zeigten sich zahlreiche Damen der Westberliner Gesellschaft. Extremes Make-up, viel Blond und mutige, manchmal fragwürdige Kleiderwahl. Ein Paradies für Zeichner! Ein paar Herren waren auch zu sehen, natürlich in hellem Leinen und mit Hut! Wenn wir nicht so hungrig gewesen wären, hätten wir wohl noch ewig die Herrschaften weiterzeichnen können. Zu essen gab es dort nichts, nur einen Weißweinstand am Ende einer sehr langen Schlange. 
Scharfe violette Wildlederstiefeletten zu Komplettblümchenanzug und ein unmögliches grünes, kurzes Rautenmusterkastenkleid auf sehr üppiger Dame. Schade, dass man die sitzende Frau im Blingbling-Chanel-Stil mit zwei großen Ansteckblumen und der windschnittigen Frisur nicht so gut erkennen kann.

15.07.2019

Neuendorfer Heide



Zwischen dem Spandauer Jagdhaus und Nieder Neuendorf verläuft der Mauerweg auf dem ehemaligen Grenzstreifen durch die Neuendorfer Heide entlang der Havel. Die politische Grenze lag in der Havel. Ich hocke zwischen Weg und Havelufer, wohl schon jenseits des Verlaufes der Vorderlandmauer, also im ehemaligen Niemandsland, auf bemoosten Grundmauern, Teile der Ruine eines Wohnhauses. Zwischen Mauertrümmern und Fliesenresten wachsen große Bäume.

From Spandauer Jagdhaus to Nieder Neuendorf the Wall Trail runs along the former border strip along the Havel through the Neuendorfer Heide. The political border was in the river Havel. I squat between the path and the banks of the Havel, probably already beyond the course of the 'Vorderlandmauer', in former no man's land, on mossy foundation walls, parts of the ruins of a residential building. Large trees grow between bricks and the remains of tiles.

07.07.2019

06 Juli 2019


Im japanischen Reataurant Aki Tatsu sitze ich an einem kleinen Tisch am großen Fenster zur Kantstrasse. Drinnen gibt es Thunfisch und Bohnen und draussen (endlich) Regen.


Ein paar Meter weiter ist das Gasthaus Wuppke. Neben der Tür steht ein Flipper ('Bugs Bunny Birthday Balls'), es läuft Musik etwa aus dem mutmaßlichen Baujahr des Flippers, Gäste ähnlichen Alters unterhalten sich am Tresen. An den Tischen wird viel Karten gespielt und dort scheint niemand über 30 zu sein.

29.06.2019

Oppelner Straße, Kreuzberg

Zur Zeit stelle ich ein paar Bilder in einem kleinen Projektraum in der Oppelner Straße in Kreuzberg aus. Heute habe ich mir Zeichner in die Galerie eingeladen, oder besser: vor die Galerie. War richtig schön. Alle haben so konzentriert gezeichnet, dass es ganz still war.
Hier das Gegenüber:


 Obwohl die Straße sehr breite Gehwege hat und verkehrsberuhigt ist, dominieren parkende Autos das Straßenbild. Dennoch spielt sich viel Leben auf der Straße ab. Ein ständiges Vorbeilaufen zum Görlitzer Park und zurück, und außer uns saß noch eine türkische Großfamilie drei Häuser weiter auf mitgebrachten Kleinmöbeln auf dem Bürgersteig und picknickte. Auch bei Hitze ist es da angenehm kühl, da große Linden alles beschatten. Ein Zeichner fror so, dass er in den Park ging, um Sonne zu finden. (Leider war die dann schon fast weg). 
Manchmal ist die Straße auch ein großer Laufsteg und man will den Selbstdarstellern zurufen: Halt, stopp, kurz stehenbleiben, ich will dich zeichnen! Traue ich mich aber leider nicht.