17.09.2019

Urbankrankenhaus

Das "Klinikum Am Urban", wie es wohl offiziell heißt (jeder nennt es natürlich Urbankrankenhaus) am Urbanhafen in Kreuzberg. Der Neubau ist ein beeinduckend bis bedrohlich wirkender, V-förmiger 60er Jahre-Betonblock (architektisiert von Peter Poelzig), der in seltsamem Kontrast zu der parkähnlichen Anlage davor steht. Dieses Gebäude wollte ich schon lange mal zeichnen, heute habe ich mich endlich dazu aufraffen können. Ein Schwan posiert auch noch für mich!


09.08.2019

Gotzkowskistrasse


Vor dem Spätkauf stehen 3 Biertische auf dem Bürgersteig. Donnerstag ist spätabends noch jede Menge los. Eine stattliche Frau in weitem Hemd thront in einem Plastikstuhl und unterhält sich mit einer jungen Frau in engem Kostüm. Zwei weiter Frauen, eine mit Rollator, kommen den Bürgersteig runter und bleiben stehen. Gesprächsthemen sind erst Getränke und deren Vorteile und dann Männer und deren Nachteile.

19.07.2019

Ost-West-Kontraste

Heute habe ich zuerst mit Tatiana vor dem Café Sibylle gesessen, dem Ostberliner Kultcafé an der Karl-Marx-Allee. Eröffnet 1953 als "Milchtrinkhalle", in den 60ern in "Sibylle" umbenannt. Der wunderschöne gelbe Neonschriftzug steht mittlerweile unter Denkmalschutz.
Danach nach Charlottenburg ins Bröhan-Museum, wo gleichzeitig eine Ausstellungseröffnung und das Sommerfest stattfanden. Hier zeigten sich zahlreiche Damen der Westberliner Gesellschaft. Extremes Make-up, viel Blond und mutige, manchmal fragwürdige Kleiderwahl. Ein Paradies für Zeichner! Ein paar Herren waren auch zu sehen, natürlich in hellem Leinen und mit Hut! Wenn wir nicht so hungrig gewesen wären, hätten wir wohl noch ewig die Herrschaften weiterzeichnen können. Zu essen gab es dort nichts, nur einen Weißweinstand am Ende einer sehr langen Schlange. 
Scharfe violette Wildlederstiefeletten zu Komplettblümchenanzug und ein unmögliches grünes, kurzes Rautenmusterkastenkleid auf sehr üppiger Dame. Schade, dass man die sitzende Frau im Blingbling-Chanel-Stil mit zwei großen Ansteckblumen und der windschnittigen Frisur nicht so gut erkennen kann.

15.07.2019

Neuendorfer Heide



Zwischen dem Spandauer Jagdhaus und Nieder Neuendorf verläuft der Mauerweg auf dem ehemaligen Grenzstreifen durch die Neuendorfer Heide entlang der Havel. Die politische Grenze lag in der Havel. Ich hocke zwischen Weg und Havelufer, wohl schon jenseits des Verlaufes der Vorderlandmauer, also im ehemaligen Niemandsland, auf bemoosten Grundmauern, Teile der Ruine eines Wohnhauses. Zwischen Mauertrümmern und Fliesenresten wachsen große Bäume.

From Spandauer Jagdhaus to Nieder Neuendorf the Wall Trail runs along the former border strip along the Havel through the Neuendorfer Heide. The political border was in the river Havel. I squat between the path and the banks of the Havel, probably already beyond the course of the 'Vorderlandmauer', in former no man's land, on mossy foundation walls, parts of the ruins of a residential building. Large trees grow between bricks and the remains of tiles.

07.07.2019

06 Juli 2019


Im japanischen Reataurant Aki Tatsu sitze ich an einem kleinen Tisch am großen Fenster zur Kantstrasse. Drinnen gibt es Thunfisch und Bohnen und draussen (endlich) Regen.


Ein paar Meter weiter ist das Gasthaus Wuppke. Neben der Tür steht ein Flipper ('Bugs Bunny Birthday Balls'), es läuft Musik etwa aus dem mutmaßlichen Baujahr des Flippers, Gäste ähnlichen Alters unterhalten sich am Tresen. An den Tischen wird viel Karten gespielt und dort scheint niemand über 30 zu sein.

29.06.2019

Oppelner Straße, Kreuzberg

Zur Zeit stelle ich ein paar Bilder in einem kleinen Projektraum in der Oppelner Straße in Kreuzberg aus. Heute habe ich mir Zeichner in die Galerie eingeladen, oder besser: vor die Galerie. War richtig schön. Alle haben so konzentriert gezeichnet, dass es ganz still war.
Hier das Gegenüber:


 Obwohl die Straße sehr breite Gehwege hat und verkehrsberuhigt ist, dominieren parkende Autos das Straßenbild. Dennoch spielt sich viel Leben auf der Straße ab. Ein ständiges Vorbeilaufen zum Görlitzer Park und zurück, und außer uns saß noch eine türkische Großfamilie drei Häuser weiter auf mitgebrachten Kleinmöbeln auf dem Bürgersteig und picknickte. Auch bei Hitze ist es da angenehm kühl, da große Linden alles beschatten. Ein Zeichner fror so, dass er in den Park ging, um Sonne zu finden. (Leider war die dann schon fast weg). 
Manchmal ist die Straße auch ein großer Laufsteg und man will den Selbstdarstellern zurufen: Halt, stopp, kurz stehenbleiben, ich will dich zeichnen! Traue ich mich aber leider nicht.

17.06.2019

Herrfurthstraße


Kurz vor Schluss schaffe ich es sonntags noch zu 48h Neukölln. In der Herrfurthstraße im Schillerkiez. Vor einer Galerie, die Hälfte der Passanten scheint wegen Kunst unterwegs, die Anderen sind eh auf der Straße. Ich fotografiere mein Gemale für Instagram, zwei Halbwüchsige rufen schon von Weitem, dass ich das gar nicht fotografieren brauche, es sei eh Kacke. Meine Antwort ist einfallslos, nicht halbwüchsigengerecht und mittelfingerförmig. Sie sind unbeeindruckt und präzisieren ihre Kritik - meine Farben seien total schwul. Sie kommen näher, in Sichtweite, ob ich das alles mit der einen Farbe gemalt hätte? - dass sei blöd, die sei total schwul. Ich stimme in soweit zu, dass ich, trotz anderer Lehrmeinung, schwarze Tusche auch als Farbe betrachte (nur dass die schwul sei, wusste ich nicht). Auf weitere Erörterungen lassen sie sich aber nicht ein, sondern ziehen lachend weiter.



Im Café Lux ist ein schöne Fotoausstellung - 'Das Geräusch des Wassers' - und vor dem Café kann man sitzen. Leute reden, Zeichner hören unwillkürlich. Eine Person am Telefon will sich nicht entschuldigen. Deswegen auf keinen Fall (ich weiß nur grob, warum, aber so aus dem Bauch - ne, deswegen nicht) - eine andere Person hat den Ex geschont und nicht alles erklärt (warum er jetzt Ex ist - naja, aber so enthält man wichtige Hinweise zum 'selfimprovement' vor) (aber eigentlich geht mich das ja alles gar nichts an)

29.05.2019

Nachmittags in Kreuzberg

Ich habe mich mit Marion in Kreuzberg getroffen, wo wir in der Görlitzer Straße zuerst etwas gegessen haben. Mein Blick ging auf die Marabu Bar, die ich noch aus den 80ern kenne.

Danach schlenderten wir durch den Wrangelkiez, hörten Robert Habeck beim Wahlkampf zu, aßen Eis (ich zumindest) und landeten schließlich im "Birgit & Bier", das wir beide noch nicht kannten. Neugier und reiner Zufall führten uns in dieses Zeichnerparadies. Sooo viele Details! Wir saßen in einem ausgedienten Karussell, wo die Figuren durch Bänke ersetzt wurden und schauten auf eine übergroße Hollywoodschaukel aus Metallschrott und bunten Stoffen. Daneben tobte ein Tischtennismatch.


16.05.2019

Ecke Boxhagener-/ Simon-Dach-Straße

Im Café Kuchenrausch, gegenüber dem Intimes Kino. "Ich nehm´ glaube ich zwei", sagte die eine der beiden kurz vorher an der Theke beim Anblick der vielen Kuchen und Torten. Es klang so betont beiläufig als würde sie etwas wirklich Unerhörtes vorhaben.

18.04.2019

Der Alexanderplatz von oben

Die oberste Etage des Kaufhof am Alexanderplatz hat ein Restaurant, von dem aus man den Platz gut überblicken kann. Wenn man einen Fensterplatz ergattert…
Gerade als ich ankomme setzt sich eine Dame auf den letzten freien Platz am Fenster. Als sie mein Skizzenbuch sieht, steht sie wieder auf und murmelt, dass sie für so etwas Verständnis hat. Es klingt ein bisschen mitleidig … Ich danke und fange an, den Platz zu zeichnen, auf dem sich Besucher aus aller Welt tummeln wie kleine Ameisen.


Der Alexanderplatz vom Restaurant des Kaufhauses aus gesehen.

08.04.2019

am Mauerstreifen im Wedding



2017 habe ich den Mauerstreifen im Wedding erkundet. Ich bin im Jahr 2000 nach Berlin gezogen, vorher war ich nur einmal, in den 90ern, hier. Ich habe die Mauer nie gesehen.
Ich bin in Westdeutschland, nahe der niederländischen Grenze aufgewachsen. Dorthin sind wir oft gefahren, an der Grenze gab es Kontrollen, das Schlimmste was passieren konnte, war ein Stau und das zuviel gekaufter Kaffee (oder so) entdeckt würde, lästig oder vielleicht auch ein kleiner Nervekitzel auf dem Weg in Nachbarländer mit anderer Sprache usw. Nach Ostdeutschland oder Osteuropa bin ich zu Zeiten des  'kalten Krieges' nicht gefahren (eine Fahrt 89 nach Magdeburg zählt nicht wirklich) - meine Ignoranz ist nicht mehr zu korrigieren. Nun suche ich eine Grenze, wie ich nie eine kennengelernt habe und finde wenige Spuren.


An einem langen Sommerabend bei den Liesenbrücken. Dunkler Schatten unter den ruinösen Eisenträgern, Jogger laufen regelmäßig an mir vorbei.




Auf der anderen Seite der Schienen ist der St. Hedwig Friedhof. Längs der Liesenstraße, an der Brücke ist noch ein Teil des 'vorderen Sperrelementes' erhalten, auf dem Friedhof noch ein Stück Hinterlandmauer. Lang der Liesenstraße wurden die Gräber auf 40 m Breite abgeräumt. In Gleisnähe ist zur Zeit auf diesem Streifen der Komposthaufen des Friedhofes - dort sitze ich bei einsetzendem Regen und schaue in Richtung Brücken.




Weiter die Liesenstraße hinunter. Hier an der Ecke zur Chausseestraße, wo der gleichnamige Grenzübergang war, ist jetze eine Total-Tankstelle. Rote Rücklichter der tankenden Autos und in der beleuchteten Kassenehalle gibt es auch Kaffee und so. 'Willkommen', steht auf dem Schild vorne.



Wieder zurück, von der Brücke den Park am Nordbahnhof (auf den Gleisen des abgerissenen Nord-, bzw, Stettiner Bahnhofs) entlang zum S Bahnhof Nordbahnhof. Am nördlichen Eingang ist der 'Wall-Kiosk (der Schriftzug auf gedrucktem Backsteinwand-Hintergrund, 'wall' halt). Es gibt alles Mögliche, Essen, Trinken, Souveniers. Der Betreiber quatscht mit einem Gast in der Abendsonne. Ein paar Wochen vorher habe ich hier eine bereits stark vergilbte Karte mit dem zur Drucklegung bereits ehemaligen Mauerverlauf gekauft. Die war hilfreich.

08.03.2019

Warten an der Roten Ampel - Berlin Bergmannstraße



Berlin Kreuzberg - vor dem Zigarrenladen in der Bergmannstraße.
Mir gefiel die Szene des Handy-phonierenden Jederjackenträgers an der Fußgängerampel.